Waldorfschule und Offene Ganztagsschule Möglicher oder unmöglicher Spagat? Unserer Waldorfschule angegliedert ist die Offene Ganztagsschule. Sie ist ein Betreuungsangebot, das von Familien genutzt wird, die eine längere Betreuungszeit als die reguläre Schulzeit benötigen. Lässt sich das mit Waldorfpädagogik vereinbaren? Wollen wir nicht, dass die Kleinen noch den Schutzraum der Familie genießen dürfen? Kann eine Betreuungseinrichtung den Kindern mit ihren vielfältigen Bedürfnissen gerecht werden?
Bild: Florian Renn
Sowohl in der Kindergarten- und Grundschulzeit als auch im Tagesablauf der Offenen Ganztagsschule spielen Struktur und Rhythmus eine große Rolle. Der Wechsel zwischen Ruhe und Aktivität (Ein- und Ausatmen) wird durch die Tagesstruktur gewährleistet. Nach Unterrichtsende gibt es Zeit zum freien Spiel draußen oder drinnen. Nicht nur die Jungen halten sich in dieser Zeit gerne draußen auf, wo es durch das besonders schöne Außengelände unserer Schule vielfältige wunderschöne Spielund Sinneserfahrungsmöglichkeiten gibt. In dem kleinen Wäldchen lassen sich Burgen bauen, Murmelbahnen graben und vieles mehr. Das vollwertige Mittagessen, aus biologischem Anbau, kann dann in Ruhe in den Klassengruppen eingenommen werden, bevor die Hausaufgaben gemacht werden. Hier gibt es neben der regulären Hausaufgabenbetreuung das Silencium, in dem eine gezielte Hausaufgabenbetreuung und -förderung angeboten wird. Auch zwischen Hausaufgaben und Nachmittagsaktivität gibt es genügend Zeit zur individuellen Gestaltung, je nach Bedürfnis draußen oder drinnen, ruhiger oder aktiver.
Bild: Ulla Franke
Am Nachmittag können die Kinder an regelmäßig wiederkehrenden Angeboten in Form von AGs, Workshops oder offenen Angeboten teilnehmen. Durch die Verschiedenartigkeit der Angebote haben die Kinder die Möglichkeit,vielfältige Erfahrungen zu machen, verschiedene Sinne werden angesprochen, und natürlich wird die soziale Kompetenz durch Aktivitäten in der Gruppe gefördert. Der Nachmittag endet mit einem kleinen Snack in der Cafeteria, bevor die Kinder nach Hause entlassen werden. Ja, eine Betreuung, die nicht nur die Grundbedürfnisse befriedigt, sondern auch die seelischgeistige Situation der Kinder berücksichtigt (indem sie z.B. ruhige und aktive Phasen beinhaltet, Schonräume bietet usw.) ist durchaus mit Waldorfpädagogik vereinbar und kann diese gut fortführen. Auch Waldorfeinrichtungen müssen auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren und können diesen auch sehr gut gerecht werden. Wie in jedem pädagogischen Arbeitsfeld werden an die Mitarbeiter der Offenen Ganztagsschule hohe Anforderungen gestellt. Das Wahrnehmen der individuellen Bedürfnisse der Kinder, sowie eine adäquate Reaktion darauf, fordern eine ständige Präsenz, die letztlich eine gute pädagogische Arbeit gewährleistet. Schön wäre es, wenn wir unser gutes Angebot nun auch in dafür bestens geeigneten Räumen perfektionieren könnten. Karin Baumgarten, Erzieherin
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